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VW Poznań: Sie entlassen uns - wir gründen eine neue Gewerkschaft!

  • Dział: English news

In der vergangenen Woche hat die die Gewerkschaft OZZ Inicjatywa Pracownicza [Arbeiterinitiative] im VW-Werk in Poznań eine Betriebsgruppe gegründet. Gleichzeitig wurde drei Arbeitern gekündigt, einem davon disziplinarisch. Begründet wurden die Entlassungen damit, dass sie bei Facebook geschrieben hatten, angesichts der immer schlechteren Arbeitsbedingungen müsste eine Gewerkschaft gegründet werden. Offiziell betrachtet VW das als üble Nachrede gegen den Konzern. In Wirklichkeit ging es darum, zu verhindern, dass im Betrieb eine Organisation entsteht, die tatsächlich die Interessen der Belegschaft vertritt. Bis jetzt hatte die Gewerkschaft NSZZ Solidarność hier ein Monopol.

Dank der Entschlossenheit der Beschäftigten bei VW gelang es letztlich, eine neue Betriebskommission [Betriebsgruppe] der Gewerkschaft zu gründen. Die drei Arbeiter, die sich dafür engagiert hatten, sind aber immer noch draußen. Ihre Entlassung ist nichts anderes als Repression für den Versuch, sich im Kampf für eine bessere Lebensqualität aller Beschäftigten im Werk zu organisieren.

Die Arbeit bei VW ist hart und eintönig. Die Geschäftsführung zwingt die Beschäftigten zu Überstunden, prekäre Leiharbeitsverträge werden jahrelang verlängert, die Löhne sind zu niedrig, Überstundenzuschläge werden mit einjähriger Verspätung ausgezahlt. Vor kurzem wurde im Werk eine 17. Schicht am Samstag eingeführt, und eine weitere, 18. Schicht von Samstag auf Sonntag ist geplant. Vorher gab es jeweils drei Schichten von Montag bis Freitag und eine Schicht am Samstag. Die bisher schon im Werk tätige Gewerkschaft Solidarność hat den zusätzlichen Schichten zugestimmt, was zu Empörung bei einem Teil der Belegschaft geführt hat. Angeblich kämpft die Solidarność gegen Sonntagsarbeit (z.B. im Einzelhandel), aber das Diktat von VW hat sie ohne nennenswerten Widerstand akzeptiert und der Nachtschicht von Samstag auf Sonntag zugestimmt.

Erst vor kurzem haben 70 Prozent der Belegschaft im VW-Werk in der Slowakei für höhere Löhne gestreikt. Nach 6 Tagen Streik gab es dort eine Lohnerhöhung um 13,5 Prozent und eine Einmalzahlung von 500 Euro. Die Beschäftigten im VW-Werk in Poznań wollen nicht tatenlos zusehen, wie die Firma die Arbeitsbedingungen verschärft und gleichzeitig nichts an den miesen Löhnen ändert. Sie haben keine Angst, für ihre Rechte zu kämpfen, und kündigen an, dass sie so wie die Kollegen in der Slowakei für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen kämpfen werden.

Am Donnerstag 10.08.2017 fand vor der VW-Gießerei in Poznań-Wilda eine Pressekonferenz mit den entlassenen Arbeitern und den offen auftretenden Mitgliedern der neuen Betriebsgruppe statt. Es wurden Flyer mit Informationen über die Gründung der neuen Organisation und die Situation im Betrieb verteilt. Eine Flugblatt-Aktion gab es auch in Werk Poznań-Antoninek. Geplant sind weitere Info-Aktionen in den Werken Swarzędz und Września.

Wenn du der Betriebübergreifenden Kommission der OZZ IP bei VW Poznań beitreten willst oder irgendwelche Fragen hast, melde dich bei Andrzej Sobok (Tel. 504 174 379) oder Przemysław Koterwa (534 024 346) oder International Sekretariat: international [@] ozzip.pl

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Flugblatt an die VW-Beschäftigten

Das Leben eines normalen Arbeiters bei VW ist kein Urlaub. Die Arbeit ist hart und eintönig, die Geschäftsführung zwingt uns zu Überstunden, Leiharbeitsverträge werden jahrelang verlängert, die Löhne sind zu niedrig, um Spaß am Leben zu haben, Überstundenzuschläge werden mit einjähriger Verspätung ausgezahlt. ... Zu alledem haben wir auch noch die Solidarność, die fest an der Seite der Geschäftsführung steht. Ihre Leute sieht man nie in dern Produktionshallen, denn sie verstecken sich in den Büros. Bei alltäglichen Problemen o.ä. ist von ihnen kaum Hilfe zu erwarten. Vor kurzem hat die Solidarność der Einführung einer zusätzlichen 18. Schicht zugestimmt, und zwar ohne die Arbeiter zu fragen. Aber wenn die Solidarność nicht den Willen der Arbeiter vertritt, wozu ist sie dann im Betrieb?

Gleichzeitig hat VW drei unserer Kollegen in Antoninek entlassen. Offizielle Gründe waren Posts auf Facebook. Aber wir alle wissen, dass es darum ging, zu verhindern, dass im Betrieb eine Gewerkschaft entsteht, die die Interessen der Arbeiter vertritt und nicht die des Chefs. Als Antwort auf die illegale Entlassung unserer Kollegen und die Tatenlosigkeit der Solidarność haben wir am 6. August die Betriebsübergreifende Kommission der VW-Beschäftigten bei der Gewerkschaft Inicjatywa Pracownicza [Arbeiterinitiative] gegründet.

In der neuen Gewerkschaft:

- sind wir unabhängig von der Geschäftsführung, wir wollen weder Posten noch Dienstwagen zur Belohnung für ein gutes Verhältnis zu den Managern,

- kämpfen wir für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten (Festeingestellte und Leiharbeiter).

- In unserer Organisation hat jeder Arbeiter die gleiche Stimme, wir kämpfen für ein besseres Leben für uns alle, nicht für die Gewerkschaftsbürokratie.

Wenn du genug davon hast, für einen Hundelohn bis zum letzten Schweißtropfen ausgequetscht zu werden, von korrupten Gewerkschaftern und der Arroganz der Chefs, wenn du kein 18-Schicht-System willst, tritt der Inicjatywa Pracownicza bei. In der IP organisieren sich Festeingestellte und Leiharbeiter, Mitglieder anderer Gewerkschaften und bisher Unorganisierte aus den Werken in Antoninek, Września, Swarzędz und der Gießerei.

Allein haben wir keine Chance gegen die Geschäftsführung. Gemeinsam sind wir stärker!

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